Doomscrolling

Wir leben in schwierigen Zeiten: Nachrichten über Klimakrise, Naturkatastrophen, politische Konflikte, Kriege, Wirtschaftskrise und trübe Zukunftsperspektiven prägen unsere Medienwelt. Jugendliche sind permanent online und dabei mit einer schier unendlichen Zahl an Beiträgen rund um diese negativen Nachrichten konfrontiert – und oft auch schlichtweg überfordert.

Eine Umfrage der EU-Kommission aus dem Jahr 2024 zeigt, dass sich mehr als 70 Prozent der Jugendlichen in Österreich täglich via Social Media über das Weltgeschehen informieren. Jede:r Dritte gab an, die Flut an negativen Meldungen als belastend oder beängstigend zu empfinden.

Was bedeutet Doomscrolling?

Doomscrolling ist eine psychologische Negativspirale, die sich aus Neugier und Besorgnis speist und dank der Funktionsweise digitaler Plattformen, die Aufmerksamkeit mit immer noch mehr Inhalten ähnlicher Art belohnen, kaum mehr zu stoppen ist.
Der Begriff setzt sich aus doom (Unheil) und scrolling zusammen. Gemeint ist das unaufhörliche, oft unkontrollierte Scrollen durch Nachrichtenfeeds, Social Media Plattformen oder News-Apps mit dem Schwerpunkt auf negativen Nachrichten.
In der Hoffnung auf Kontrolle und Beruhigung wird immer weiter gescrollt und nach noch mehr Infos gesucht. So geraten Betroffene nach und nach in einen Strudel, aus dem sie sich nicht mehr lösen können. Und angesichts des Übermaßes an Negativinput, mit dem sie in diesem Strudel konfrontiert werden, tritt das genaue Gegenteil des eigentlich beabsichtigen Effektes ein: Das Ohnmachtsgefühl wird immer größer, und Angst und Erschöpfung machen sich breit.

Doomscrolling ist ein Phänomen unserer Zeit, dessen Ursache wir nicht abstellen können. Daher brauchen die Schüler:innen Wissen und Fähigkeiten, um die Negativspirale zu verstehen, zu erkennen und zu durchbrechen. Und sie müssen lernen, wann genug Information auch wirklich genug ist.

Was Schüler:innen gegen Doomscrolling stärkt

  • Negative Nachrichten einordnen lernen
    Sprechen Sie mit der Klasse über die Funktionsweise von Social-Media-Algorithmen: Warum sehen wir so viele schlechte Nachrichten? Warum fällt es schwer, wegzuschauen?
  • Nachrichtenkompetenz fördern
    Vergleichen Sie die Darstellungen desselben Ereignisses in verschiedenen Medien bzw. auf verschiedenen Portalen. Wie unterscheiden sie sich hinsichtlich visueller Aufbereitung, Sprache und Tonalität?.
  • Regelmäßiger Austausch über bewegende Nachrichten
    Ein kurzer Stimmungscheck zu Wochenbeginn oder -ende kann helfen, Belastungen sichtbar zu machen. Einfacher Ausgangspunkt kann die Frage sein, welche Nachrichten die Schüler:innen besonders bewegt bzw. beschäftigt haben. Erlaubt sind sowohl positive als auch negative Nachrichten.


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