Vielfalt in Farbe

In unserer diversen Gesellschaft kommt interkultureller Bildung eine wichtige Bedeutung zu. Sie hilft Kindern dabei, Identität zu entwickeln, Vielfalt zu verstehen und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, und ist damit wichtiger Baustein für ein respektvolles Miteinander. Doch wie kann man kulturelle Vielfalt altersgerecht und ohne Zugangshürden vermitteln und erlebbar machen?

Warum nicht mit Farben?!

Farben sprechen jede:n an, unabhängig von Herkunft, Kultur, Religion, Alter oder Geschlecht. Sie gehören zu unserem Alltag, sind für jede:n zugänglich, wecken Gefühle und regen die Phantasie an.
Damit ermöglichen sie einen niedrigschwelligen Zugang, um mit Kindern ins Gespräch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu kommen, über verschiedene Länder, Kulturen, Sprachen, Feste, Kleidung usw. Wobei das Ziel nicht nur sein sollte, Wissen über andere Kulturen zu vermitteln. Die Kinder sollen Vielfalt bewusst wahrnehmen und als etwas verstehen, dass sie selbst gestalten können.

Was Farben alles sein können …

Farben sind nicht einfach nur visuelle Eindrücke, sie sind ästhetisch-symbolische Ausdrucksform mit oft starkem kulturellem Kontext. Sie sind sowohl Teil der sichtbaren Kultur, etwa in Flaggen, Trachten oder der Kunst, als auch Träger immaterieller Werte einer Kultur, wie etwa der Bedeutung von Farben in verschiedenen Religionen.

Unabhängig von ihrer Rolle als Träger kultureller Bedeutung können Farben aber auch bewegen: Sie lösen unterschiedlichste Gefühle aus. Und sie können identitätsstiftend sein: ein Symbol für bzw. Ausdruck von Zugehörigkeit oder Abgrenzung. Farben sind außerdem kognitiv anregend: Sie wecken Aufmerksamkeit, Assoziationen, Erinnerungen und können das Denken oder auch die Konzentration fördern.

Farben ermöglichen Zugänge, wo Worte oft fehlen

Farben befördern den sprachlichen Ausdruck: Sie erzeugen beim Sprechen und Schreiben Bilder im Kopf und helfen dabei, Dinge, Menschen, Erlebnisse oder auch Gefühle lebendiger und anschaulicher zu beschreiben.
Und sie sind ideale Mittel für kreative Bildungsprozesse, weil sie zum Gestalten einladen.
Ob im Kindergarten oder in der Schule – Farben ermöglichen vielfältige Zugänge zu kultureller Bildung, ohne dass Kinder überfordert oder etikettiert werden. Wahrnehmung, Selbstwirksamkeit, Ausdruck und Begegnung können mit ihrer Hilfe gefördert werden.
In ihrer scheinbaren Einfachheit sind Farben ein mächtiges Werkzeug, um Kinder spielerisch an die Vielfalt der Welt heranzuführen: wertschätzend, kreativ und kindgerecht.

  • Jedes Kind bringt ein Kleidungsstück eines seiner
  • Familienmitglieder von zu Hause mit. Dieses Kleidungsstück sollte es mit einer besonderen Geschichte oder Erinnerung verbinden: mit einer lustigen, traurigen, beängstigenden, ärgerlichen, …
  • Im Kindergarten wird nun im Sitzkreis gemeinsam Familienstück für Familienstück erforscht:
    • Welche Farbe hat das Familienstück?
    • Welchen Stoff hat es? Wie fühlt dieser sich an?
    • Wofür wird es normalerweise benutzt?
    • Was macht dieses Stück für das Kind so besonders?
  • Abschließend gestalten die Kinder mit ihren Familienstücken gemeinsam einen bunten Farbenkreis der Vielfalt. Sie können die Farben bunt mischen oder nach Farbton ordnen – ganz wie sie möchten. Als bleibendes Erinnerungsstück an den Farbenkreis können sie auch noch Zeichnungen von ihrem Familienstück oder jenem anderer Kinder machen.
  • Mögliche Vertiefung:
    • Nach Abschluss eines Familienstückes kann bewusst ein Familienstück mit der gleichen Farbe ausgewählt werden, um zu verdeutlichen, dass die gleiche Farbe noch nicht heißt, dass dieses Stück auch die gleiche Geschichte hat.
    • Die Familienstücke werden nach gemeinsamer Erforschung nach Farben sortiert. Bei jeder Farbe wird nun überlegt, ob es Gemeinsamkeiten zwischen den Familienstücken gibt.
  • Die Kinder malen A4-Zettel in jeweils einer Farbe an.
  • Anschließend werden die Bezeichnungen dieser Farben in den Sprachen der Kinder und Elementarpädagog:innen gesammelt und von den Pädagog:innen und Vorschulkindern auf kleine Zettel geschrieben.
  • Diese Zettel werden aufs jeweils passende Farbplakat geklebt.
  • Abschließend malt jedes Kind ein Bild in seiner Lieblingsfarbe. Daneben wird die Bezeichnung der Farbe in seiner Familiensprache aufgeschrieben.
  • Jedes Kind wählt eine Farbe, die es mit der eigenen Familie oder Herkunft verbindet (z.B. Grün wie die Erbsenschoten im Omas Garten, Blau wie das Meer aus dem letzten Sommerurlaub, Orange wie die Sonnenuntergänge in Papas Heimatland, …) und gestaltet dazu ein Bild oder eine Collage.
  • In Gruppen oder im Klassenverband versuchen die Kinder anschließend, anhand dieses Kunstwerkes die Geschichte dahinter zu erraten.
  • In weiterer Folge können die Bilder auch Gegenstand einer Ausstellung für den nächsten Elternabend sein.
  • Jedes Kind zieht, ohne dabei die Farbe zu sehen, einen Buntstift aus einer Schachtel oder einem Becher.
  • Die Kinder haben nun 5 bis 10 Minuten Zeit, um folgende Fragen zu beantworten:
    • Woran erinnert mich diese Farbe? (Gegenstände, Menschen, Gefühle, Gerüche, …)
    • Wo kommt diese Farbe in meiner Kultur/meinem Land/meiner Religion vor? (Kleidung, Feste, Essen, Flaggen, Natur, Symbole, …)
  • Die Ergebnisse werden im Klassenverband miteinander besprochen und mit Assoziationen anderer Schüler:innen zu dieser Farbe verglichen.
  • Abschließend schreibt jedes Kind auf einen Zettel, warum es die Farbe, die es gezogen hat, mag oder nicht mag.
  • Dazu ergänzt es eine illustrierende Zeichnung mit dem Buntstift.
  • Unter dem Titel „Meine, deine, unsere Farbe?“ kann aus den Zetteln auch eine Collage oder ein Buch gestaltet werden.

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